Sobald die ersten Dampfmaschinen kleiner wurde, kamen Erfinder auf die Idee, mit ihnen Fahrräder anzutreiben. Pierre Michaux gebührt der Titel des ersten Menschen, der 1869 ein maschinengetriebenes Rad gebaut hatte. Als der Ottomotor auf den Markt kam, bauten Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach einen sogenannten Reitwagen, der im Prinzip ein Motorrad war, dass aber Seitenräder als Stütze hatte. Im Jahre 1894 wurde das von der Firma Hildebrand & Wolfmüller gebaute Kraftrad erstmals als Motorrad bezeichnet und das Unternehmen ließ es sich sogar mit einem Patent schützen. Es folgten weitere Versuche Motorräder zu bauen, der große Durchbruch kam aber vor allem durch die Erfindung der Einspritzdüse und und der Magnetzündung.
Militärisches Interesse
Aufmerksamkeit bekam das Motorrad auch von den Militärs: sie schätzen das geringe Gewicht und die Geländegängigkeit der neuen Erfindung. Schon bald wurde es auch in den ersten Kriegen eingesetzt, zunächst im Burenkrieg, in größerem Maßstab dann im Ersten Weltkrieg. Sowohl deutsche Truppen als auch die Briten und Amerikaner setzten die neuen Motorräder ein. Standard der USA waren übrigens Harley-Davidson-Motorräder. Die Praxis in der Massenfertigung machte das Unternehmen dann auch nach dem Krieg zum Marktführer weltweit. BMW kam erst 1935 auf den Markt, brachte aber die Teleskop-Gabel in den Motorradbau. Die großen japanischen Marken Honda, Yamaha Kawasaki und Suzuki begannen alle erst nach dem Zweiten Weltkrieg Motorrädern zu bauen, aber mit einem schnell wachsenden Erfolg.
In Deutschland war NSU die einzig nennenswerte Firma, die in großen Maßstab produzierte, immerhin liegen 70.000 Maschinen pro Jahr vom Band, außerdem über 225.000 Mopeds. Bis 1957 waren die Deutschen eine – was die Mehrzahl der Fahrzeuge angeht – eine Zweiradnation. Mit dem Wirtschaftswunder wuchsen aber die durchschnittlichen Einkommen des Mittelstandes, gleichzeitig wurden Autos günstiger in der Anschaffung. Das Motorrad galt als Fortbewegungsmittel der armen Leute.
Erst in den späten 60er Jahren zogen die Motorradverkäufer wieder an. Das ist vor allem den japanischen Herstellern zu verdanken die es schafften, das Bike als Sport- und Freizeitgerät zu etablieren. So wurde ein völlig neuer Markt erschlossen, der bis heute erhalten ist. Die meisten Motorräder sind auch heute noch Freizeitmaschinen. Allerdings gibt es auch einen großen Sportbereich, und auch als Breitensport sind Motorräder beliebt.
Die Zukunft des Motorrades könnte in elektrisch angetrieben Modellen liegen, die vor allem in großen Städten den Transport einfacher machen und weniger Abgase produzieren